Leadership & Führung

Teamentwicklung, Führung und Motivation.

Teams motivierend führen

Florian Grolman ·7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Teamentwicklung wirkt dauerhaft nur, wenn die Führung das Fundament dafür legt.
  • Maslow und Herzberg zeigen dasselbe Muster: erst die Rahmenbedingungen, dann die Motivation.
  • Aus einer losen Gruppe wird ein Hochleistungsteam, wenn Sinn, Anerkennung und Selbststeuerung stimmen.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Teamentwicklung, guter Führung und Motivation? Welche Basis muss geschaffen werden, damit Mitarbeiter und Teams überhaupt effektiv arbeiten? Dieser Artikel beschreibt Motivationsmodelle und formuliert Empfehlungen zur Umsetzung.

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Was ist Teamentwicklung?.

Unter Teamentwicklung werden oftmals Spiele zur Teamfindung verstanden, wie Outdoor-Aktivitäten, Übungen im Hochseilgarten, Wildwasserfahrten oder das Meistern anderer künstlicher Herausforderungen in der Natur. Andere Beratungstrends fokussieren auf die Verbesserung der Zusammenarbeit durch Definition von Schnittstellen, Aufgaben und Rollen oder auch das Bearbeiten von Konflikten im Team.

Wir verwenden den Begriff Teamentwicklung noch umfassender. Unter Teamentwicklung verstehen wir alle Maßnahmen, die getroffen werden, um die Bedingungen für die Zusammenarbeit insgesamt zu verbessern. Dazu gehören explizit auch Aspekte von guter Mitarbeiterführung – also Voraussetzungen, welche Führungskräfte schaffen müssen, damit die Entwicklung von losen Gruppen zu funktionalen Teams überhaupt stattfinden kann. Teamentwicklung hat also zum Ziel

  1. Die Gesamtleistung des Teams zu optimieren
  2. Teammitglieder zu motivieren und Identifikation zu ermöglichen
  3. Ein gesundes Arbeitsklima herzustellen

Gute Führung ist aus unserer Sicht zwingende Grundvoraussetzung dafür, dass Teamentwicklungsmaßnahmen nachhaltig wirken können. Den Zusammenhang erklärt die „Maslowsche Bedürfnispyramide“:

Gute Führung ist aus unserer Sicht zwingende Grundvoraussetzung dafür, dass Teamentwicklungsmaßnahmen nachhaltig wirken können.

Motivationstheorien.

Motivationstheorie nach Herzberg.

Ähnliches leg auch die historisch wegweisende Motivationstheorie von Frederick Herzberg nahe.

Die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg zeigt, welche Voraussetzungen unbedingt gegeben sein müssen, damit Motivation überhaupt entstehen kann. Auf Grundlage von empirischen Untersuchungen identifizierte Herzberg zwei unterschiedliche Faktorentypen, die Motivation entweder verhindern oder ermöglichen und damit wesentlich für hohe Arbeitszufriedenheit sind.

Diagramm der Herzberg-Zwei-Faktoren-Theorie mit Motivatoren und Hygienefaktoren nach Antworthäufigkeit
Diagramm der Herzberg-Zwei-Faktoren-Theorie mit Motivatoren und Hygienefaktoren nach Antworthäufigkeit

Hygienefaktoren und Motivationsfaktoren nach Herzberg

Herzberg unterscheidet zwischen

  • Hygienefaktoren: Als Hygienefaktoren bezeichnet Herzberg solche Einflussfaktoren, die – sofern sie vorhanden sind – zwar Unzufriedenheit verhindern, jedoch keine Zufriedenheit herstellen können. Sie können bestenfalls „Nicht-Unzufriedenheit“ herbeiführen. Zu den Hygienefaktoren zählen vor allem die Rahmenbedingungen, die Menschen bei ihrer Arbeit vorfinden, wie zum Beispiel die Entlohnung, Arbeitsbedingungen, Beziehungen zu Vorgesetzten, Kollegen und Untergebenen, das Ausmaß der Kontrolle oder die Unternehmenspolitik.

Die Hygienefaktoren bilden sozusagen das „Fundament“ für Motivation. Wenn hier Unzufriedenheit herrscht, werden Teammitglieder nicht motiviert arbeiten. Oder anders gesagt: Wer motivierte Teammitglieder haben möchte, muss sicher stellen, dass diese Faktoren stimmig und zufriedenstellend für die Teammitglieder gelöst sind.

Der typische Fehler

Am Lob feilen, während Gehalt, Abläufe und Führung hakeln. Heißt: Die Rakete zündet nicht. Ohne stimmige Hygienefaktoren verpufft jede Motivationsmaßnahme.

  • Motivatoren: Unter Motivatoren versteht Herzberg Faktoren, die Zufriedenheit herstellen können. Fehlen sie, so ist eine Person nicht unzufrieden, sondern lediglich „nicht zufrieden“. Motivatoren sind vor allem solche Faktoren, die in engem Zusammenhang mit der eigenen Arbeit stehen, wie zum Beispiel die eigene Leistung, Anerkennung, die Arbeit selbst, Verantwortung, Beförderung oder Wachstum.

Den Zusammenhang zwischen Hygienefaktoren und Motivatoren veranschaulicht diese Graphik:

Raketen-Visualisierung der Herzberg-Theorie mit Motivatoren als Antrieb und Hygienefaktoren als Fundament
Raketen-Visualisierung der Herzberg-Theorie mit Motivatoren als Antrieb und Hygienefaktoren als Fundament

“Motivationsrakete” nach Hertzberg

Die Hygienefaktoren können also als eine Art „Startrampe“ verstanden werden. Wenn Sie vernachlässigt werden, können die motivierenden Faktoren gar nicht erst wirken.

Notwendige Voraussetzungen für nachhaltige Teamentwicklungsprozesse.

Aus den Hygienefaktoren und Motivatoren von Herzberg lassen sich notwendige Voraussetzungen ableiten, die gegeben sein müssen, damit Mitarbeiter motiviert arbeiten können:

  • Mitarbeiter müssen das Gefühl haben eine Arbeit zu tun, die ihnen Spaß macht und Sinn stiftet
  • Mitarbeiter sehen den Zusammenhang zwischen ihrer Tätigkeit und dem „Großen und Ganzen“ der Organisation
  • Sie können Entscheidungen in einem abgesteckten Rahmen selbständig treffen.
  • Persönliche und fachliche Weiterentwicklung ist möglich und wird gefördert.
  • Gute Leistungen werden explizit anerkannt und gelobt.
  • Wenn Mitarbeiter neue Herausforderungen mögen, (dies ist durchaus eine „Typfrage“ – nicht jeder mag ständig dazu lernen und Neues tun!) wird ihr Aufgabenbereich nach gegenseitiger Absprache regelmäßig erweitert („Job-Enrichment“).

Was brauchen Teams, um motiviert arbeiten zu können?.

Wenn man Teams danach fragt, was sie brauchen, um motiviert zu arbeiten, werden oftmals auch noch weitere Faktoren genannt - wie in der folgenden Mindmap aus einem Team-Workshop:

Bedingungen für motiviertes Arbeiten im Team: Ergebnisse aus einem unserer Teamentwicklungs-Workshops
Bedingungen für motiviertes Arbeiten im Team: Ergebnisse aus einem unserer Teamentwicklungs-Workshops

Bedingungen für motiviertes Arbeiten im Team: Ergebnisse aus einem unserer Teamentwicklungs-Workshops

Bedingungen für motiviertes Arbeiten im Team sind demnach auch:

  • fairer Umgang miteinander (im Team und mit/von den Führungskräften)
  • faire und als “gerecht” empfundene Aufgabenteilung
  • wenn die “Teamkultur” Loyalität unter den Teammitgliedern und gegenüber dem Kunden fördert
  • wenn Transparenz herrscht über alle Rahmenbedingungen und Informationen, die die gemeinsame Arbeit angehen
  • wenn von der Teamleitung Rahmenbedingungen gefördert werden, die einen hohen Grad an Selbstorganisation und gegenseitiger Verantwortungsübernahme ermöglichen

Wie entsteht ein gutes Teamgefühl?.

Aus der Mindmap eines unserer Kunden oben lassen sich auch Anforderungen ableiten, die erfüllt sein müssen, damit ein gutes Teamgefühl entsteht:

  • Teammitglieder das Gefühl haben, dass die Teammitglieder füreinander einstehen, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen (gerade dann, wenn’s mal “eng” wird)
  • wenn man sich menschlich aufeinander verlassen (“Wir sind stets fair im Umgang miteinander”) kann und fachlich einander vertrauen kann (“Ich weiß, dass die anderen ihr Bestes geben, um gute Arbeit zu machen”)
  • wenn das Team untereinander immer wieder die Erfahrung macht, dass alle Teammitglieder die gemeinsamen Teamziele als wichtiger erachten als die individuellen Ziele (und die Teamleitung dies mitträgt und entsprechend handelt).

Teamentwicklung und Motivation: Anforderungen an Führungskräfte.

Die Kernaussagen der 2-Faktoren-Motivationstheorie stellt hohe Anforderungen an Führungskräfte. Um Gruppen erfolgreich zu Hochleistungsteams zu formen, braucht es eine Reihe Fähigkeiten.

Darauf sollten Sie unbedingt achten:

  • Kümmern Sie sich darum, dass Ihre Mitarbeiter gute Arbeitsbedingungen vorfinden und das Gehalt stimmt.
  • Sorgen Sie dafür, dass die Arbeit gut organisiert ist, die Abläufe nicht zwangsläufig zu Konflikten führen und die Arbeit sinnvoll und fair verteilt ist.
  • Fördern Sie “Teamgeist” und ein gutes Teamgefühl. Stellen Sie sicher, dass das Team seine Ziele kennt und Teamziele als wichtiger empfunden werden als die  individuellen Ziele.
  • Behandeln Sie Ihre Mitarbeiter tendenziell so gut, wie auch Ihre Frau/Ihr Mann von Ihnen behandelt werden möchte.
  • Identifizieren Sie die individuellen Motivatoren Ihrer Mitarbeiter. Nicht jeder braucht das gleiche, aber Bedürfnisse, die nicht gestillt werden (können), verhindern 150%-Leistung.
  • Zollen Sie Anerkennung für gute Leistungen.
  • Ermöglichen Sie regelmäßig Erfolgserlebnisse. Übertragen Sie Verantwortung. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern nicht vertrauen, machen Sie etwas falsch.

==> Unser Angebot: Teamentwicklungs-Workshops und Seminare.

In unseren Teamentwicklungs-Workshops helfen wir Ihnen,

  • Demotivatoren zu identifizieren,
  • Die richtigen Motivatoren für ihre Teammitglieder zu identifizieren,
  • Maßnahmen zu entwickeln, die notwendig sind, damit Ihr Team sich zum Hochleistungsteam entwickeln kann.

In unseren Teamentwicklungs-Seminaren erreichen wir folgende Ziele:

  1. Verantwortlichkeiten im Team sind geklärt
  2. Die Leitung kennt die Bedürfnisse und individuellen Motivatoren der Teammitglieder und berücksichtigt diese bei der Verteilung von Aufgaben
  3. Die Schnittstellen und interne „Kunden-/Lieferantenbeziehungen“ sind für alle klar definiert und ausgehandelt
  4. Jeder sitzt „am richtigen Platz“, d.h. Aufgaben sind nach Fähigkeiten, Neigungen und zeitlichen Ressourcen fair verteilt
  5. Die Teammitglieder sehen einen Sinn in dem, was Sie tun (eine der wichtigsten Aufgaben von Führungskräften ist „Sinn stiften“, Mitarbeiter also informieren, integrieren, partizipieren lassen, Visionen, Leitbilder, Ziele und Strategien möglichst gemeinsam entwickeln)
  6. Die Mitglieder eines Teams können sich und ihre gemeinsamen Aufgaben selbst steuern
  7. Die Teammitglieder fühlen sich akzeptiert und gebraucht
  8. Konflikte im Team sind benannt und werden bearbeitet oder sind idealerweise bereits gelöst
  9. Die Teammitglieder erkennen Konflikte vor allem als Chance für gemeinsame Weiterentwicklung, gewissermaßen also als „Aufgaben in Arbeitskleidung“
  10. Die Teammitglieder haben gelernt, Konflikte untereinander konstruktiv und produktiv zu klären und aus ihnen zu lernen
  11. Das Team erkennt seine Arbeits- und Lernaufgaben von selbst. Die Rolle der Führungskraft wandelt sich vom „Steuermann“ zum Coach, Berater und generellem Supervisor. Zu erkennen ist dies regelmäßig daran, dass Teams im normalen Arbeitsalltag auch ohne Führungskraft gut funktionieren.

Häufige Fragen.

Was ist Teamentwicklung?

Alle Maßnahmen, die die Bedingungen für Zusammenarbeit verbessern — inklusive guter Führung. Heißt: mehr als Hochseilgarten und Teamspiele.

Warum ist Führung die Grundvoraussetzung für Motivation?

Ohne stimmige Rahmenbedingungen zündet keine Motivation. Erst wenn Maslows untere Ebenen und Herzbergs Hygienefaktoren sitzen, wird Höchstleistung im Team überhaupt möglich.

Was unterscheidet Hygienefaktoren von Motivatoren?

Hygienefaktoren wie Gehalt und Arbeitsbedingungen verhindern Unzufriedenheit, schaffen aber keine Zufriedenheit. Erst Motivatoren wie Anerkennung, Verantwortung und sinnvolle Arbeit erzeugen sie.

Woran erkennt man ein echtes Team?

Es funktioniert auch ohne die Führungskraft. Die Rolle wandelt sich vom Steuermann zum Coach — das Team erkennt seine Aufgaben von selbst.

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