Change Management

Muster erkennen, die Wachstum nachhaltig hemmen.

Wiederkehrende Muster in Organisationen erkennen und durchbrechen

Florian Grolman ·3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemarchetypen sind wiederkehrende Muster — dieselbe Struktur bremst Wachstum in ganz unterschiedlichen Organisationen.
  • Jedes Wachstum trifft irgendwann auf einen ausgleichenden Prozess. Ab da bringt mehr Anstrengung nichts.
  • Der Hebel liegt nicht im verstärkenden Prozess, sondern im begrenzenden Faktor. Heißt: nicht schneller rudern, sondern die Bremse lösen.

Zu den wichtigsten und potentiell machtvollsten Einsichten des Systemdenkens gehört die Einsicht, dass es wiederkehrende Muster gibt, die Veränderung und Wachstum nachhaltig behindern können. Diese “Systemarchetypen” sind der Schlüssel, wenn wir lernen wollen, die Strukturen in Organisationen und unserem persönlichen Leben zu erkennen. Die Systemarchetypen verdeutlichen, dass nicht alle Führungsprobleme einzigartig sind und dass der Komplexität von vielen Managementproblemen eine geradezu elegante Einfachheit zugrunde liegt. Die Systemarchetypen lassen sich in einige Kategorien einteilen, denen Sie, wenn Sie systemische Sichtweisen verinnerlicht haben, immer wieder in Veränderungsprozessen begegnen werden.

Systemarchetypen.

Sie kennen das vielleicht: Durch eine Crash-Diät speckt man zunächst erfolgreich ab, aber dann bröckelt die Selbstdisziplin des Hungernden und er oder sie nimmt wieder zu. Oder: Wenn viel zu tun ist, lösen wir das Problem des “Termindrucks” zunächst, indem wir Überstunden machen. Das ist aber nur eine kurzfristige Lösung, denn letztlich führen der zusätzliche Stress und die Müdigkeit dazu, dass wir langsamer und schlechter arbeiten, so dass die Wirkung der Überstunden wieder aufgehoben wird.

Dahinter steckt ein Prinzip, das auch in Lern- und Veränderungsprozessen in Unternehmen eine verheerende Wirkung entfalten kann.

Solche Muster zu durchschauen, ist Übung und kein Talent. Wer gelernt hat, in verstärkenden und ausgleichenden Regelkreisen zu denken, erkennt die Grenze früher als andere. Dieses Denken schult unser Seminar für strategisches Denken.

Die Grenzen des Wachstums.

Eines haben alle Systemarchetypen gemeinsam: Sie haben verstärkende und schwächende Regelkreise. Im Falle dieses Archetypen gibt es einen verstärkenden Wachstums - oder Verbesserungsprozess, der eine zeit lang eigenständig abläuft. Dann stößt er auf einen ausgleichenden oder stabilisierenden Prozess, der dem Wachstum entgegenwirkt. Wenn das geschieht, verlangsamt sich die Besserungsrate oder kommt sogar zum Stillstand.

Erst läuft es von allein — dann bremst sich das System selbst

Ein verstärkender Prozess treibt das Wachstum eine Zeit lang mühelos an. Dann meldet sich ein ausgleichender Prozess, der dagegenhält. Heißt: Das Wachstum flacht ab, und keiner weiß so recht, warum. Der begrenzende Faktor sitzt längst im System — meist genau dort, wo der Erfolg ihn selbst erzeugt hat.

Grenzen des Wachstums
Grenzen des Wachstums

Grenzen des Wachstums

Die Struktur der Wachstumsgrenzen wirkt in Organisationen auf vielen Ebenen. so wächst vielleicht ein High-Tech Unternehmen rapide an, weil es über die Fähigkeit verfügt, neue Produkte einzuführen. Wenn die Zahl der neuen Produkte wächst, wachsen die Einnahmen. Schließlich ist dieser größer werdende Technikerstab immer komplexer und schwieriger zu führen. Die Managementlast fällt häufig älteren Ingenieuren zu, die dann weniger Zeit für technische Arbeit haben. Da die erfahrensten Ingenieure von ihrer eigentlichen Arbeit abgezogen werden und mit dem Management betraut werden, verlangsamt sich die Produktentwicklung, was wiederum die Einführung neuer Produkte verlangsamt. Fertig ist der begrenzende Regelkreis!

Bei dieser Struktur wird die Grenze allmählich stärker. Nach dem ersten Entwicklungsboom flacht das Wachstum aus scheinbar unerfindlichen Gründen ab. Schließlich kann sich das Wachstum so stark verlangsamen, dass sich die Verstärkungsspirale umkehrt und in die entgegengesetzte Richtung läuft.

Hebelwirkung.

Die meisten Menschen und Organisationen reagieren auf Wachstumsgrenzen, indem sie ihre Anstrengungen verdoppeln. Das ist eine verständliche Reaktion. Aber je kraftvoller Sie die vertrauten Hebel bewegen, desto größer wird der Widerstand des Ausgleichsprozesses und desto fruchtloser werden Ihre Bemühungen.

Der teuerste Reflex: einfach mehr vom Gleichen

Die meisten verdoppeln ihre Anstrengung, sobald das Wachstum stockt. Verständlich — und falsch. Je kräftiger Sie am vertrauten Hebel ziehen, desto härter hält der Ausgleichsprozess dagegen. Sie arbeiten mehr und kommen weniger voran.

Aber es gibt eine andere Methode, um mit Wachstumsgrenzen umzugehen: In all diesen Situationen muss man den Hebel bei der Gleichgewichtsschleife ansetzen und nicht bei der Verstärkungsschleife. Wenn man das Verhalten des Systems ändern will, muss man den begrenzenden Faktor erkennen und ändern*.* Das kann Maßnahmen erfordern, die man bislang nicht in Betracht gezogen hat. Um beim oben genannten Beispiel zu bleiben: Damit die Produktentwicklung in einem expandierenden Unternehmen weiter läuft, muss man sich mit der wachsenden Managementbelastung auseinandersetzen, die eine zunehmend komplexe Forschungs- und Entwicklungsorganisation mit sich bringt. Einige Firmen tun dies, indem sie dezentralisieren, andere stellen qualifiziertes Fachpersonal ein, das weiß, wie man kreative Techniker führt.

In all diesen Situationen muss man den Hebel bei der Gleichgewichtsschleife ansetzen und nicht bei der Verstärkungsschleife

Es gibt noch eine Reihe weiterer Systemarchetypen, die ich in weiteren Beiträgen hier beleuchten werde (siehe unten in den “verwandten Beiträgen).

Häufige Fragen.

Was sind Systemarchetypen?

Wiederkehrende Muster, die Veränderung und Wachstum bremsen. Dieselbe Struktur taucht in ganz verschiedenen Situationen auf — vom persönlichen Zeitmanagement bis zur Steuerung eines ganzen Unternehmens. Wer sie kennt, erkennt hinter der scheinbaren Komplexität eine überschaubare Zahl an Grundmustern.

Was beschreibt der Archetyp "Grenzen des Wachstums"?

Ein verstärkender Wachstumsprozess läuft eine Zeit lang von allein — bis er auf einen ausgleichenden Prozess trifft, der ihn abbremst. Das Wachstum flacht ab, oft aus scheinbar unerklärlichen Gründen. Verstärkt sich die Bremse weiter, kann die Spirale sogar kippen und rückwärts laufen.

Warum bringt mehr Anstrengung bei Wachstumsgrenzen nichts?

Weil sie am falschen Hebel ansetzt. Je stärker Sie den vertrauten Wachstumsprozess antreiben, desto stärker wächst der Widerstand des Ausgleichsprozesses. Der Aufwand steigt, die Wirkung sinkt.

Wo setzt man stattdessen an?

Am begrenzenden Faktor, nicht am Wachstum selbst. Man muss den ausgleichenden Prozess erkennen und verändern — etwa die wachsende Managementlast einer größer werdenden Organisation. Das erfordert oft Maßnahmen, die vorher gar nicht auf dem Tisch lagen, etwa Dezentralisierung oder gezielt eingestellte Führungskräfte.

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