Change-Management-Methoden

Projekt-Website: Zeitnahe und umfassende Information im Intranet.

Eine eigene Website im Intranet macht Change-Kommunikation schnell und flexibel. Warum Aktualität hier vor Perfektion geht — und wie Sie Stammleser gewinnen.

Winfried Berner ·5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine eigene Projekt-Website im Intranet macht Change-Kommunikation schnell, umfassend und flexibel. Aber nebenher läuft das nicht — dafür braucht es eigene Kapazität.
  • Aktualität schlägt Perfektion. Eine perfekt gestaltete Seite, die keiner liest, weil nichts Neues drinsteht, ist verlorene Zeit.
  • Marketing bringt den ersten Besuch. Substanz bringt den zweiten. Heißt: Ohne erkennbare, relevante Aktualisierungen kommt niemand wieder.

Für größere Change Management-Projekte lohnt es sich oft, eine eigene Website im Intranet einzurichten – möglichst zeitnah, informativ und aktuell. Idealerweise enthält sie auch ein Diskussionsforum, einen FAQ-Bereich (“Frequently Asked Questions”) und eine (aktuelle!) Rubrik “Latest News / Neueste Nachrichten”. Allerdings sollten Sie den Aufwand hierfür ist nicht unterschätzen: So mal eben nebenher lässt sich so etwas nicht machen – dafür muss eigens Kapazität bereitgestellt werden.

Eigener Auftritt im Intranet.

Lohnt sich das? – Aber ja!

Genau das kann in mittelständischen Unternehmen zum Problem werden, wenn es darum geht, das Budget für eine solche Projekt-Website genehmigt zu bekommen. Denn viele Vorstände und Geschäftsführer sind keine “digital Natives” und daher möglicherweise geneigt, dieses Instrument eher als Modegag zu verstehen. Die Antwort auf die klassische Frage “Bringt das wirklich etwas?” ist ein dreifaches Ja. Erstens, weil es ein Symbol dafür ist, dass das Unternehmen mit der Zeit geht; zweitens, weil es eine Ermutigung für diejenigen im Unternehmen ist, die auf Modernisierung und Veränderung drängen, drittens und vor allem, weil dies eine schnelle, umfassende und flexible Methode der Information ist.

Warum sich der Aufwand rechnet

Drei Gründe, nicht einer. Die Website ist ein Symbol dafür, dass das Unternehmen mit der Zeit geht. Sie ermutigt die, die auf Veränderung drängen. Und vor allem: Sie informiert schnell, umfassend und flexibel — schneller als jedes Rundschreiben. Wer sie als Modegag abtut, verwechselt das Instrument mit der Verpackung.

Aktualität ist wichtiger als Perfektion.

Eigene Spielregeln

So eine Website hat ihre eigenen Spielregeln. Das beginnt mit der Spannung zwischen Aktualität und dauerhafter Gültigkeit. In der physischen Welt ist für das eine die Zeitung oder das Rundschreiben “zuständig”, für das andere das Handbuch oder die Dokumentation. In der Website muss beides integriert werden – und auffindbar sein, ohne sich zu einem unübersichtlichen Gewirr zu vermischen.

Schnelligkeit vor Perfektion

So wichtig es ist, eine übersichtliche Struktur zu anzubieten, damit sich die Nutzer zurecht finden und die Seite nicht frustriert verlassen, so wenig sollte man sich vornehmen, technisch und formale perfekte Seiten ins interne Netz zu stellen. Denn jede Art von Feinarbeit kostet Zeit. Und Zeit kostet Aktualität. Wie man aber aus der einen oder anderen perfekt gestalteten Werkzeitung lernen kann, die wegen mangelnder Aktualität und Relevanz kaum Leserresonanz findet, hat gerade bei der internen Kommunikation Aktualität einen höheren Stellenwert als die optische Gestaltung – im Gegensatz zu Lifestyle-Magazinen. Denn eine Information, die alle Insider längst (besser) wissen, löst selbst bei hinreißender Gestaltung gelangweiltes Schulterzucken aus.

Und Zeit kostet Aktualität.

Internes Marketing.

Integration ins Intranet

Ihre Projekt-Website muss sinnvollerweise in das Intranet Ihres Unternehmens eingebunden werden. Deshalb sollten Sie Ihre Pläne frühzeitig mit den hierfür verantwortlichen Personen diskutieren, zum einen um zu erfahren, welche Spezifikationen eingehalten werden müssen oder sollten, zum anderen um zu besprechen, ob und in welcher Form im Intranet auf Ihre Seiten aufmerksam gemacht werden kann. Unter Umständen finden Sie dort auch Unterstützung bei der Realisierung.

Internes Marketing

Ein entscheidender Erfolgsfaktor für eine Projekt-Website ist gutes internes Marketing. Das gilt besonders für “Push-Projekte”, bei denen der Informationsbedarf des Projekts deutlich großer ist als das Informationsbedürfnis der Mitarbeiter. (Einfacher ist es bei “Pull-Projekten”: Dort genügt es, die Website bekannt zu machen; dann rufen sie die Leute von sich aus auf, weil sie ein brennendes Interesse an den Informationen haben. Hier haben Sie möglicherweise eher das Problem, die Freigabe für die Veröffentlichung jener Informationen zu bekommen, nach denen die Mitarbeiter gieren.)

Hartnäckige Eigenwerbung

Während man einen gedruckten Newsletter, der einem ins Postfach gesteckt wird, wohl oder übel zur Kenntnis nehmen muss und zumindest einen kurzen Blick darauf wirft, gibt es bei einer Website keine solche Zwangsläufigkeit. Eine Website muss man aktiv aufrufen, und das tut man in der Regel nur, wenn man erstens von ihr weiß und sich zweitens etwas von ihr verspricht – und sei es auch nur etwas Zerstreuung oder die Befriedigung von Neugier. Wenn Sie Besucher wollen, müssen deshalb Sie auf Ihre Website aufmerksam machen – zum Beispiel durch Links auf vielbesuchten Seiten im Intranet, aber auch durch Hinweise auf internen Memos (Fußzeilen!), E-Mails (in der Signatur) und natürlich auf allen geschriebenen Unterlagen wie auch durch penetrante Hinweise in der mündlichen Kommunikation.

Links im Intranet

Verweise auf vielbesuchten Seiten führen die Leute direkt zu Ihnen. Da, wo ohnehin geklickt wird.

Fußzeilen interner Memos

Jedes Papier, das durchs Haus geht, trägt den Hinweis mit. Passiv, aber ständig sichtbar.

E-Mail-Signatur

Ein Zeile in der Signatur, und jede Mail wirbt mit. Kostet nichts, wirkt dauerhaft.

Mündlich — penetrant

In Meetings, Gesprächen, bei jeder Gelegenheit darauf hinweisen. Unbequem, aber es wirkt.

Beispiel

Dazu eine kleine Anekdote: Der Leiter eines Projekts hatte es sich angewöhnt, bei wirklich jeder Gelegenheit penetrant auf die Projekt-Website hinzuweisen. So auch zum wiederholten Male in einer Lenkungsausschuss-Sitzung. Als daraufhin einer der Bereichsleiter genervt “Nicht schon wieder!” dazwischen rief, sagte der Projektleiter trocken: “Ich werde das so lange wiederholen, bis auch Sie unsere Website besucht haben!” Worauf der Bereichsleiter, der offenbar nicht wusste, dass solche Überprüfungen gar nicht möglich waren, resigniert meinte: “Also gut, ich schau mir’s an!”

Relevanz und Aktualität bringen “Stammkunden”.

Es geht um regelmäßige Besuche(r)

Doch mit Marketing allein ist es nicht getan. Besucher auf die Website zu locken, ist nur dann ein dauerhafter Erfolg, wenn sie wieder kommen. Mit “Einmal-und-nie-wieder”-Besuchern ist nichts gewonnen. Das jedoch ist nicht mehr eine Sache des Marketing, sondern eine der Substanz: Wenn Nutzer beim ersten Besuch zu dem Ergebnis kommen, dass sich der Besuch nicht lohnt, dann hilft auch kein Marketing mehr.

Ohne Substanz rettet kein Marketing

Marketing bringt die Leute zum ersten Besuch. Ob sie wiederkommen, entscheidet nicht die Werbung, sondern der Inhalt. Heißt: Kommt jemand beim ersten Mal zum Schluss, dass sich der Klick nicht lohnt, holt ihn kein noch so lauter Hinweis zurück.

Sichtbare Aktualisierungen

Wenn Sie gar möchten, dass die Leute regelmäßig auf Ihre Website schauen, müssen Sie ihnen immer wieder Neues bieten – nach der einfachen Regel: Erkennbare (!) Aktualisierungen sollten etwas häufiger vorgenommen werden als die Besuchsfrequenz, die Sie sich wünschen. Auf diese Updates können Sie in der gleichen Weise aufmerksam machen wie auf die Website selbst.

Newsletter

Theoretisch könnte man auch feste Aktualisierungstermine vorsehen, damit die “Stammkunden” wissen, wann sie Neuigkeiten erwarten dürfen, aber das ist in der Projektrealität schwer durchzuhalten, weil die Nachrichtenlage das oft nicht hergibt. Und wenn man dann Belanglosigkeiten als neueste Nachrichten verkauft, bezahlt man die Aktualität mit der Relevanz. Die Alternative ist, einen Newsletter anzubieten, der auf (relevante!) Aktualisierungen aufmerksam macht.

Häufige Fragen.

Lohnt sich eine eigene Projekt-Website im Intranet?

Für größere Change-Vorhaben ja. Sie ist ein Signal, dass das Unternehmen mit der Zeit geht, ermutigt die Veränderungswilligen und informiert schnell, umfassend und flexibel. Der Haken: Nebenher entsteht so etwas nicht — es braucht eigens bereitgestellte Kapazität.

Was ist wichtiger — Aktualität oder perfekte Gestaltung?

Aktualität. Jede Feinarbeit kostet Zeit, und Zeit kostet Aktualität. Eine hübsch gestaltete Seite, die alle Insider längst besser wissen, löst nur gelangweiltes Schulterzucken aus. Bei interner Kommunikation zählt der Neuigkeitswert mehr als die Optik.

Wie macht man auf die Projekt-Website aufmerksam?

Eine Website muss man aktiv aufrufen — anders als ein Newsletter, der im Postfach liegt. Also aktiv werben: Links auf vielbesuchten Intranet-Seiten, Hinweise in Memo-Fußzeilen und E-Mail-Signaturen, auf allen Unterlagen und penetrant in der mündlichen Kommunikation.

Wie bekommt man wiederkehrende Besucher?

Über Substanz, nicht über Marketing. Bieten Sie regelmäßig Neues — nach der Regel: Erkennbare Aktualisierungen etwas häufiger als die gewünschte Besuchsfrequenz. Ein Newsletter, der auf relevante Updates hinweist, hält die Stammleser bei der Stange.

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