Projektmanagement

Dokumentation: Ein Protokoll ist meistens nicht die beste Lösung.

Ergebnisprotokolle halten fest, was entschieden wurde – nicht warum. Heißt: nach Verwendungszweck dokumentieren, statt Gründe später mühsam zu rekonstruieren.

Winfried Berner ·4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Ergebnisprotokoll hält fest, was entschieden wurde. Nicht, warum. Genau das rächt sich, sobald jemand nach der Begründung fragt.
  • Heißt: Dokumentieren Sie nach dem späteren Verwendungszweck — nur nachschlagen, begründen können oder nachvollziehen, wer was gesagt hat.
  • Trennen Sie Aufgaben von Arbeitsergebnissen. Absprachen in Aufgabenlisten, Ergebnisse gleich präsentationsfähig — samt Gründen.

“Wer führt heute das Protokoll?” – “Immer der, der fragt!” – “Nein, ich habe schon das letzte Mal …” Mit diesem Ritual beginnen viele Meetings. Meist einigt man sich dann auf ein Ergebnisprotokoll, weil das am wenigsten Arbeit ist – und hat damit bereits den ersten schwerwiegenden Fehler gemacht. Denn Ergebnisprotokolle sind eine ausgesprochen defizitäre Dokumentationsform: Sie halten zwar die getroffenen Entscheidungen fest, nicht aber die Gründe dafür. Deshalb taugen sie zwar dazu, später nachlesen, welche Entscheidungen getroffen wurden – sofern sich die Formulierung nicht im Nachhinein als unklar erweist. Doch sind sie unbrauchbar, um Entscheidungen oder Vorschläge zu begründen und für andere nachvollziehbar zu machen. Oder um selbst noch einmal nachzuschauen, weshalb man damals eigentlich diesen Weg gewählt hat.

Ein “Ergebnis-protokoll” hilft wenig.

Empfehlungen müssen begründet werden

Die Gründe fehlen — genau die braucht man

Projektteams entscheiden selten selbst. Sie berichten an Lenkungsausschuss oder Auftraggeber, und die Ergebnisse müssen an die betroffenen Bereiche kommuniziert werden. Ein Ergebnisprotokoll liefert dafür nichts. Heißt: Sie stehen mit der Entscheidung da, aber ohne ihre Begründung — und damit angreifbar.

Projektteams treffen selten abschließende Entscheidungen. In aller Regel berichten sie an einen Lenkungsausschuss oder an ihren Auftraggeber. Und dort würde man sich bedanken, wenn das Team nur sagen könnte: “Wir haben das Thema lange diskutiert und sind am Schluss zu dieser Empfehlung gekommen. Warum, können wir auch nicht mehr so genau erklären!” Außerdem müssen die Ergebnisse meistens in irgend einer Form an die betroffenen Bereiche und ihre Mitarbeiter und Führungskräfte kommuniziert werden. Auch dort hätte man ein Problem, wenn man für die vorgeschlagenen Maßnahmen keine Begründungen liefern könnte.

Mühselige Rekonstruktion der Gründe

Infolgedessen setzt kurz vor der Präsentation oftmals hektische Betriebsamkeit ein. Mühsam versucht man dann, zu rekonstruieren, aus welchen Gründen man damals zu bestimmten Festlegungen gekommen ist – und bekommt nicht selten Zweifel, ob die damaligen Aussagen wirklich ausreichend fundiert waren. Ein Ergebnisprotokoll bietet an dieser entscheidenden Stelle keinerlei Hilfe; also bleibt einem dann nichts anderes übrig, als die Gründe mühselig aus dem Gedächtnis und durch Befragung der Teilnehmer zu rekonstruieren oder sich kurzfristig noch eine Begründung aus den Fingern zu saugen. Als Projekt-Dokumentation sind Ergebnisprotokolle daher ungeeignet.

Als Projekt-Dokumentation sind Ergebnisprotokolle daher ungeeignet.

Auf den späteren Verwendungszweck zugeschnittene Dokumentation.

Den späteren Verwendungszweck klären

Wie aber soll man dann dokumentieren? Einfache Antwort: Das hängt entscheidend davon ab, wie das Protokoll später genutzt werden soll – auf diesen späteren Verwendungszweck muss es zugeschnitten sein. Soll man dort nur nachschauen können, welche Entscheidung seinerzeit getroffen wurde, reicht es in der Tat, die Ergebnisse bzw. Entscheidungen zu dokumentieren. Kann oder wird es wichtig sein, die Ergebnisse, Entscheidungen oder Empfehlungen gegenüber Dritten begründen zu können, dann ist es wichtig, in den Protokollen auch die Gründe festzuhalten. Und soll es den Lesern des Protokolls möglich sein, herauszufinden, wer in der Besprechung welche Argumente vorgebracht und welche Position vertreten hat, dann kommt man an einem Verlaufsprotokoll kaum vorbei. Zum Glück braucht man das in der Wirtschaft nur selten, denn das kostet viel Arbeit, während die anderen beiden Arten von Protokollen “nur” Disziplin erfordern.

Nur nachschlagen, was entschieden wurde

Reicht dieser Zweck, genügt ein reines Ergebnisprotokoll — die getroffenen Entscheidungen, sauber festgehalten, mehr nicht.

Ergebnisse gegenüber Dritten begründen

Sobald Sie Entscheidungen oder Empfehlungen verteidigen müssen, gehören die Gründe mit ins Protokoll. Sonst rekonstruieren Sie sie später mühsam.

Nachvollziehen, wer was gesagt hat

Soll erkennbar bleiben, welche Position wer vertreten hat, kommen Sie am aufwendigen Verlaufsprotokoll kaum vorbei. In der Wirtschaft braucht man das selten.

Zwei Arten von Protokollinhalten

Wenn man gängige Protokolle analysiert, stellt man fest, dass sie im Wesentlichen zwei Arten von Aussagen enthalten: Zum einen inhaltliche Arbeitsergebnisse, zum anderen Informationen, die mit dem weiteren Vorgehen des Projekts und seiner Arbeitsplanung zu tun haben: Verabrechungen zum Vorgehen, Sitzungs-, Urlaubs- und Abwesenheitstermine u.ä. Es empfiehlt sich, diese beiden Arten von Ergebnissen konsequent zu trennen.

Aufgaben und Ergebnisse trennen!

Abb.: Die meisten Protokolle enthalten fast ausschließlich zwei Arten von Inhalten

Differenzierte Dokumentation

Zwei Dinge, zwei Ablagen

Trennen Sie konsequent. Absprachen zum Vorgehen in Aufgabenlisten, Maßnahmenpläne, Agenden. Arbeitsergebnisse gleich in präsentationsfähiger Form — nicht nur die Empfehlung, sondern auch ihre Herleitung. Das spart den unnötigen Zwischenschritt. Und es zwingt Sie, die Schlüssigkeit noch einmal zu prüfen, bevor Sie darauf aufbauen.

Die Absprachen zum weiteren Vorgehen werden am Besten in Aufgabenlisten, Maßnahmenplänen, Agenden oder Ähnlichem festgehalten. Wann immer es hingegen erforderlich ist, Arbeitsergebnisse später gegenüber Dritten zu kommunizieren und zu begründen, sollten sie gleich in präsentationsfähiger Aufbereitung dokumentiert werden, also nicht nur die Entscheidung bzw. Empfehlung enthalten, sondern auch ihre Begründung oder Herleitung. Das spart erstens Arbeit, weil der unnötige Zwischenschritt entfällt, die Ergebnisse in einer anderen Form zu protokollieren als sie später verwendet werden. Zweitens dient es der Qualitätssicherung, weil man beim Dokumentieren zwangsläufig noch mal die Sinnhaftigkeit und Schlüssigkeit der gemachten Aussagen überprüft. Das heißt, Entscheidungen, die eher durch emotionalen als durch rationalen Konsens zustande kamen, also zum Beispiel durch Ungeduld, Erschöpfung oder Gruppendruck, werden noch einmal auf ihre Haltbarkeit und Überzeugungskraft abgeklopft – und zwar, bevor man weitere Schritte darauf aufbaut.

Gemeinsame Dokumentation am Flipchart

Um die Protokollanten zu entlasten und zugleich sicherzustellen, dass tatsächlich das Ergebnis der Diskussion dokumentiert wird und nicht bloß das, was die Protokollschreiber in Erinnerung behalten haben, kann man solche “erweiterten Beschlussprotokolle” auch gemeinsam am Flipchart erstellen. Dazu braucht man eigentlich nur auf das Flipchart schreiben, was der gefasste Beschluss oder die verabschiedete Empfehlung ist, und darunter in Bullets die Gründe, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Dabei sollten unbedingt auch Einwände und Gegenargumente als Bullets festgehalten werden, um so festzuhalten, welche Gegengründe diskutiert, aber letztlich für nicht ausschlaggebend erachtet wurden. Ein solches Flipchart ist zugleich für das Projektteam eine Rückversicherung, dass tatsächlich alle das Gleiche verstanden haben und ob alle wesentlichen Argumente in die Dokumentation eingeflossen sind.

Häufige Fragen.

Warum taugt ein Ergebnisprotokoll meistens wenig?

Weil es zwar die Entscheidungen festhält, nicht aber die Gründe dafür. Sie können später nachlesen, was beschlossen wurde — aber nicht, warum. Sobald Sie eine Empfehlung gegenüber Lenkungsausschuss, Auftraggeber oder betroffenen Bereichen begründen müssen, hilft das Ergebnisprotokoll nicht weiter.

Wie sollte man stattdessen dokumentieren?

Zugeschnitten auf den späteren Verwendungszweck. Wollen Sie nur nachschlagen, reicht das Ergebnis. Müssen Sie es begründen, halten Sie auch die Gründe fest. Faustregel: Absprachen zum Vorgehen kommen in Aufgabenlisten, Arbeitsergebnisse gleich in präsentationsfähige Form.

Was unterscheidet Ergebnis- und Verlaufsprotokoll?

Das Ergebnisprotokoll hält nur die Entscheidungen fest. Das Verlaufsprotokoll gibt jeden einzelnen Diskussionsbeitrag wieder — im Wortlaut oder sinngemäß. Für geschäftliche Meetings ist das unpraktikabel: enormer Aufwand beim Schreiben wie beim Lesen, und meist ungelesen abgelegt.

Was gehört auf ein erweitertes Beschlussprotokoll am Flipchart?

Oben der gefasste Beschluss oder die verabschiedete Empfehlung. Darunter in Bullets die Gründe, die dorthin geführt haben — und ausdrücklich auch die diskutierten Einwände und Gegenargumente. So bleibt sichtbar, was abgewogen, aber verworfen wurde, und alle haben dasselbe verstanden.

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