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World Café - Praxisfehler vermeiden
Methode World Cafe – Die häufigsten Praxisfehler

Methode World Cafe – Die häufigsten Praxisfehler

Die Gruppenmoderationsmethode World Café wird in vielen verschiedenen Variationen angeboten – aber nicht überall, wo World Café draufsteht, kommen auch verwertbare Ergebnisse heraus. Im Gegenteil entstehen durch falsche Anwendung oder Abwandlung eher schädliche Effekte. World Café Moderator Florian Grolman beschreibt, worauf es wirklich ankommt bei der Anwendung der Methode World Café.

 

World Café hat viele Nachahmer gefunden

„Ich habe schon mehrmals an einem World Café teilgenommen. Nun möchte ich mehr über die Methode erfahren. …. Ich habe mal ein World Café mitgemacht, aber das war keine so gute Erfahrung…. Ich habe ein World Café erlebt und möchte wissen, ob es wirklich so einfach ist.“

Dies sind typische Zitate aus einer Einstimmungsrunde bei einem Training zur Methode World Café. Im Laufe des World Cafe Trainings wurde jedoch auch immer deutlicher: Das, was offensichtlich an vielen Orten unter dem Label „World Café“ stattfindet, hat mit einem Dialog, der Wissen vernetzt und neues Denken möglich macht, wenig zu tun.

Hier einige Erfahrungen dazu:

  • In einem fall waren die Gastgeber der World Café Tische Führungskräfte, die ihre eigenen Fragen moderierten. Den Teilnehmern wurden konkrete Plätze zugewiesen, die „Ergebnisse“ wurden in einem üblichen Protokoll festgehalten (und nicht auf den „Tischdecken“ der Cafétische).
  • In einem anderen Fall waren die Fragen geschlossen und boten wenig Anreiz und Inspiration, um sich über die angerissenen Themen tiefer auszutauschen.
  • Ein weiterer Teilnehmer berichtete von einem World Cafe, in dem die Ergebnisse nicht geerntet, sondern unkommentiert und unreflektiert im Raum stehen gelassen wurden. Die TeilnehmerInnen verließen denselben unzufrieden, was nicht weiter verwundern dürfte.

 

Auf die Haltung kommt es beim World Cafe an

Die bloße Technik, und dann noch falsch angewendet, hat noch nichts mit der darunter liegenden Haltung zu tun. Nicht selten begegnen wir Kunden, die uns zunächst sagen: „Die Methode World Café haben wir schon probiert, das hat auch nicht geholfen“, wobei das Wort „World Café“ nur ein Platzhalter ist für andere Methoden: Appreciate Inquiry, Open Space, Zukunftskonferenz. Die dahinter liegende Aussage ist immer die gleiche: das Format war die Botschaft, die Technik die Fassade. Dahinter war und blieb alles gleich.

 

Die Methode ist nicht die Botschaft

Dahinter mag der Wunsch stehen, die Methode alleine möge einen Unterschied machen und die Veränderung bringen. Gerade aber bei diskursorientierten Formaten die World Café kommt es auf die dahinter liegende Haltung der Auftraggeber und des World Café Moderators an. Geht es darum, gute Fragen zu stellen oder die richtigen Antworten zu finden? Sind die Veranstalter wirklich an dialogisch gestalteten Prozessen interessiert? Ist das Ergebnis wichtiger oder der Prozess? Darf über alles gesprochen und alles nachgedacht werden? Sind die gestellten Fragen im World Café wirklich relevant für die Teilnehmer? Mit welchen Grundannahmen schaue ich auf Herausforderungen? Was denke ich überhaupt über Management, Organisation und Führung?

 

Die 10 häufigsten Fehlannahmen zur Methode World Café

Die Methode World Café lebt davon, die wirklich relevanten Fragen einer Organisation zu identifizieren und diese ergebnisoffen zu diskutieren.

Hier eine „Hitliste“ von Fehlannahmen, die uns immer wieder in der Praxis begegnen:

Annahmen Unsere Erfahrung
  • Im Gegenteil: Das World Café lebt von der Neigung der Menschen zu intensiven und lebhaften Gesprächen. Die Ergebnisse zu den Fragestellungen kommen von ganz allein, wenn die Fragen für die Teilnehmer relevant genug und klug gestellt sind.
  • Es werden unterschiedliche Fragen an den Tischen diskutiert.
  • Dies ist eine vielfach praktizierte Variante des World Cafés, die auf der Ergebnisseite vor allem mehr „Breite“ als „Tiefe“ produziert.
  • Die Fragen kann sich der World Café Moderator alleine überlegen
  • Eine gute Frage ist wichtiger als eine gute Antwort. Die wirklich wichtigen Fragen, die eine Organisation bewegen, kennen am ehesten die Mitarbeiter und Führungskräfte.
  • Es ist besser, an Tischen zu sitzen.
  • Es hat sich bewährt, an Stehtischen zu arbeiten, denn Gespräche im Stehen entwickeln eine höhere Dynamik als im Sitzen. Zum „Ausruhen“ hat sich aber auch eine Mischung aus Steh- und Sitztischen bewährt.
  • Die Räumlichkeiten und die Ausstattung eines World Cafés spielen eine untergeordnete Rolle.
  • Eine einladende Umgebung fördert einen lebendigen Dialog in Organisationen. Gute Lern- und Arbeitsbedingungen zeugen auch von Respekt gegenüber den Mitarbeitern. Schaffen Sie am besten eine Atmosphäre, die den informellen und kreativen Geist eines Kaffeehauses vermittelt!
  • Der Gastgeber eines Tisches ist alleine für die Dokumentation der Tischgespräche verantwortlich.
  • In einem echten Dialog haben alle Teilnehmer die gleiche Verantwortung für den Verlauf der Diskussionen. Wichtige Erkenntnisse sollten von demjenigen festgehalten werden, der sie ausspricht oder als solche bewertet.
  • Die Dokumentation muss besonders strukturiert sein und gut aussehen.
  • Lebendige Gespräche erlauben auch kreativen Ausdruck: Malen, skizzieren und experimentieren Sie!
  • Der Gastgeber eines Tisches muss ein besonders hervorgehobener Repräsentant des Unternehmens sein.
  • Beim World Café kommt es auf lebendigen Dialog an. Wenn jemand am Tisch dazu neigt, die Diskussion zu „leiten“, hemmt dies den offenen Austausch.
  • Ein World Café ist aufwändig und teuer.
  • Ein World Café kostet weniger, als Sie denken. Mit welcher anderen Methode kann man innerhalb von 3-4 Stunden so viele Menschen so intensiv ins Gespräch bringen und dazu noch äußerst handlungsrelevante Ergebnisse erzielen?

Vorbereitungsprozess für ein World Café

Wie Sie ein World Café perfekt durchführen, habe ich in einem anderen Artikel beschrieben. Wir bieten dabei auch gerne unsere Erfahrung aus vielen Dutzend erfolgreich durchgeführten World Café Veranstaltungen an. Entscheidend für den Erfolg ist ein ausführlicher Klärungs- und Vorbereitungsprozess. Folgende Schritte haben sich dabei bewährt:

  1. Anliegenklärung: Was soll mit der geplanten Veranstaltung erreicht werden?
  2. Formatauswahl: Welche Methode eignet sich dafür am Besten?
  3. Vorbereitungsgremium einladen: Das World Café lebt von relevanten und tiefgreifenden Fragestellungen. Um aus der Vielzahl möglicher Fragen die wirklich relevanten zu identifizieren, ist es sinnvoll, alle Interessengruppen an dem Vorbereitungsprozess zu beteiligen, die vom Ergebnis der Veranstaltung betroffen sein werden (Stakeholder-Prozess).
  4. Vorbereitungsworkshop: 2-3h Workshop, in dem die Fragen identifiziert werden, die im Rahmen des World Cafés bearbeitet werden sollen.
  5. Durchführung des World Cafés
  6. Nachhaltigkeit sichern: Die zentralen Ergebnisse in einen Handlungsplan überführen und die Implementierung sicherstellen.

 

Achtung: Fallstricke bei der Durchführung

Die Moderation von World Cafés ist einfach – aber nicht leicht! An mehreren Stellen warten handwerkliche Fehler, die den Erfolg von World Cafés gefährden:

  • Die Qualität der Fragestellungen ist entscheidend für den Erfolg. Nur so stellen Sie sicher, dass die eingeladenen Teilnehmer engagiert und lebhaft diskutieren.
  • In welchen Fällen sollte man viele Fragen gleichzeitig oder die Fragen besser nacheinander diskutieren?
  • Mit jeder Diskussionsrunde wächst die Vielfalt der Ergebnisse. Wie entsteht aus diesem Wirrwarr unterschiedlicher Perspektiven und Sichtweisen ein handhabbares und sofort verwertbares Ergebnis?
  • Was tun, wenn die Teilnehmer nicht untereinander, sondern vor allem mit dem „Moderator“ des Tisches diskutieren?
  • Wie kann Management bzw. die Führungsetage davon überzeugt werden, dass sich der Aufwand wirklich lohnt?

 

→ World Café professionell durchführen

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  • dass wirklich die richtigen Fragen diskutiert werden
  • wie Sie die große Vielfalt der Diskussionsergebnisse an den Tischen wieder zu einem verwertbaren Ergebnis zusammenführen
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