Leadership & Führung

Fairness: Moderator, wehre den Anfängen.

Fouls in Workshops reißen ein, wenn niemand sie stoppt. Warum der Moderator schon beim ersten Verstoß reagieren sollte — und wie das dreistufige Vorgehen funktioniert.

Winfried Berner ·2 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Faire Diskussion ist kein Selbstläufer. Sie hängt daran, dass der Moderator Fouls nicht durchgehen lässt.
  • Beim ersten Foul reagieren, nicht beim dritten. Wer wartet, signalisiert: Hier ist mehr drin.
  • Nicht die Härte der Reaktion zählt, sondern das Tempo. Sofort schlägt heftig.

Eine fruchtbare Diskussion ist nur möglich, wenn die Teilnehmer fair und konstruktiv miteinander umgehen. Der Moderator hat auch die Aufgabe, darauf zu achten, dass keine offenen oder versteckten Fouls stattfinden und dann schleichend einreißen. Dafür ist eine gewisse Wachsamkeit erforderlich – und ein Schuss Konfliktbereitschaft. Es wäre falsch, hier dem eigenen Harmoniestreben nachzugeben und die ersten Fouls geflissentlich zu “überhören”.

Wachsam sein.

Sofort einschreiten!

Nach meiner Erfahrung aus unzähligen selbst moderierten und miterlebten Workshops hat es keinen Sinn, darauf zu hoffen, dass irgendwelche Unfreundlichkeiten und kleinen Fouls, die sich in die Diskussion “einschleichen”, einmalige Ausrutscher waren. In der Regel testen bestimmte Teilnehmer, wie weit sie bei diesem Moderator gehen können, und werden, wenn sie in ersten ihren Ausfällen nicht gestoppt werden, immer “mutiger”.

Kein Ausrutscher

Die Hoffnung, das erste Foul sei ein einmaliger Ausrutscher, kostet Sie die Runde. Heißt: Wer nichts sagt, gibt grünes Licht. Bestimmte Teilnehmer testen genau das aus — und werden mutiger, solange sie damit durchkommen.

… erfordert vorherigen Entschluss

Deshalb empfiehlt sich gerade in der Anfangsphase von Workshops sowie bei konfliktträchtigen Themen eine sofortige und schnelle Reaktion. Wichtig ist nicht, dass diese Reaktion heftig oder gar hart ist, viel wichtiger ist, dass sie auf der Stelle erfolgt. Das setzt voraus, dass man in der Situation nicht mehr lange überlegen muss, ob und wie man reagiert – was wiederum dann am einfachsten zu gewährleisten ist, wenn man die definitive Entscheidung, in solchen Fällen sofort zu reagieren, für sich schon vorher getroffen hat.

Wichtig ist nicht, dass diese Reaktion heftig oder gar hart ist, viel wichtiger ist, dass sie auf der Stelle erfolgt.

Drei Stufen:

Gut bewährt hat sich das folgende dreistufige Vorgehen:

1. Mahnung

  • Beim ersten Foul (und zwar wirklich beim ersten!) leise, aber unüberhörbar mahnen (“Bitte keine persönlichen Angriffe …“).

2. Ermahnung

  • Beim zweiten Foul den “Übeltäter” direkt ansprechen (“Herr Meier, ich wäre Ihnen sehr dankbar …“)

3. Unterbrechung

  • Beim dritten Foul eine “Spielunterbrechung” herbeiführen und der Gruppe eine Stellungnahme abverlangen (“Einen Augenblick mal! Bevor wir weitermachen, sollten wir uns darüber verständigen, wie wir hier miteinander umgehen. Denn wenn ich solche Äußerungen jetzt durchgehen lasse, kann ich sie später in anderen Fällen nicht verbieten. Also: Welche Spielregeln sollen für unsere Zusammenarbeit gelten?”)

Spürbare Entschiedenheit

Die dritte Stufe werden Sie, wenn Sie die beiden ersten konsequent handhaben, kaum benötigen. Ihre Entschiedenheit, solche Fouls nicht zuzulassen, kommt schon in Ihren ersten Reaktionen rüber, und dann werden es die wenigsten auf eine direkte Konfrontation ankommen lassen. Wenn aber doch, ist die Einbeziehung der Gruppe ein wichtiger Schritt, denn sonst kann es Ihnen passieren, dass Sie in einen persönlichen Machtkampf mit dem Aggressor kommen und die Gruppe gespannt zusieht, wer von Ihnen beiden gewinnt.

Wer als Moderator in diese Lage gerät, hat es meist mit dem eingespielten Umgang der ganzen Gruppe zu tun. Ein einzelner Aggressor testet nur, was die Gruppe ohnehin durchgehen lässt. Wie eine Gruppe fair und trotzdem hart in der Sache streiten lernt, übt sie am besten in einem begleiteten Team-Workshop.

Häufige Fragen.

Wann sollte ein Moderator bei einem Foul einschreiten?

Sofort. Und zwar beim ersten Foul, nicht beim dritten. Wer darauf hofft, dass sich kleine Unfreundlichkeiten von selbst geben, erlebt meist das Gegenteil: Sie reißen ein.

Muss die Reaktion hart ausfallen?

Nein. Nicht die Härte entscheidet, sondern das Tempo. Ein leises, aber unüberhörbares Mahnen auf der Stelle wirkt stärker als eine späte, heftige Zurechtweisung.

Was tun, wenn Mahnung und Ermahnung nicht greifen?

Dann die dritte Stufe: die Runde kurz unterbrechen und die Gruppe einbeziehen. Gemeinsam die Spielregeln klären. So vermeiden Sie den persönlichen Machtkampf mit dem Aggressor, bei dem die Gruppe nur gespannt zusieht.

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