Change-Management-Methoden
Projektarbeit: Überzeugung durch Tun.
Wer selbst mitgestaltet, verteidigt das Ergebnis. Warum Projektarbeit im Change überzeugt — und warum gerade Skeptiker ins Projektteam gehören.
Das Wichtigste in Kürze
- Menschen überzeugt man am stärksten, indem man sie selbst überzeugen lässt. Wer mitgestaltet, verteidigt das Ergebnis — statt es zu bekämpfen.
- Der klassische Fehler: das Projektteam nur mit den Veränderungsfreudigen besetzen. Das liefert glänzende Konzepte — und den geballten Widerstand der Übergangenen.
- Heißt: Holen Sie die Skeptiker rein. Der Streit wandert ins Team, die Lösung wird bodenständiger — und sie wird umgesetzt.
Projektarbeit ist nicht nur die gebräuchlichste Methode, Veränderung voranzubringen – sie ist auch eine Überzeugungsstrategie im Change Management: Wie die sozialpsychologische Forschung überzeugend nachgewiesen hat, gibt es kaum eine wirksamere Methode, Menschen zu überzeugen, als ihnen eine aktive Rolle bei der Überzeugung anderer anzuvertrauen. (Wobei es scheint, dass die katholische Kirche dies schon lange vor den Psychologen herausgefunden hat.)
Überzeugen durch Tun.
Das eigene Ergebnis
Bei der Projektarbeit kommt hinzu, dass die Mitwirkung nicht darauf beschränkt ist, vorgegebene Inhalte zu reproduzieren und zu verteidigen, sondern dass die Teammitglieder aktiv an der Ausgestaltung der Lösungen und deren Umsetzung mitwirken. Sofern die Teams wirklich Gestaltungsfreiraum haben und nicht nur innerhalb eines engen Korridors von Vorgaben Arbeitspakete abarbeiten, fördert dies die Identifikation zusätzlich.
Vorhersehbarer Konflikt
Das reine Team der Ungeduldigen
Spontan besetzen viele Entscheider Projektteams mit den Innovativsten und Veränderungsfreudigsten. Das Ergebnis: hochfliegende Ideen — und an der Schwelle zur Umsetzung der geballte Widerstand der übergangenen "Konservativen". Die tun dann alles, um zu beweisen, dass die Vorschläge unrealistisch sind. Heißt: Ein homogenes Team der Willigen kauft sich seinen Konflikt nur später und härter ein.
Dieser Überzeugungswirkung von Projekten sollten Sie sich bewusst sein, wenn Sie Projektteams zusammenstellen. Spontan neigen viele Entscheider dazu, für Projektteams vor allem solche Mitarbeiter auszuwählen, die ihnen besonders innovativ, veränderungsfreudig und ungeduldig erscheinen. Auf diese Weise kommen in der Tat Projektteams zusammen, die vor Tatendurst und Erneuerungswillen bersten – aber um den Preis eines vorhersagbaren Konflikts mit den “konservativen Kräften” in der Linie. Sie entwickeln oft in Windeseile hochfliegende Ideen und weitreichende Konzepte, treffen aber an der Schwelle zur Umsetzung auf den geballte Widerstand der übergangenen “Konservativen”. Und die tun dann alles, um zu beweisen, dass die gemachten Vorschläge unsinnig, unrealistisch und das sichere Verderben für das Unternehmen wären.
Skeptiker einbeziehen
Wir haben statt dessen gute Erfahrungen damit gemacht, bewusst heterogene Projektteams zusammenzustellen und möglichst auch Meinungsführer des “konservativen Lagers” und der wichtigsten internen Interessengruppen einzubeziehen, einschließlich des Betriebsrats. Das verlagert die Konflikte zwar in die Teams und erschwert und verlangsamt dadurch unter Umständen deren Vorankommen. Doch nimmt es den Konflikten viel von ihrer Schärfe, weil es, statt in einen Showdown zu münden, das Ringen um die beste Lösung fördert. Der Streit wird dann nicht um fertige Lösungen geführt, sondern fließt in deren Entstehung ein, mit der Folge, dass viele kritische Argumente von vornherein beachtet und angemessen berücksichtigt werden.
Leichtere Umsetzung
Infolgedessen läuft auch der Schritt in die Umsetzung sehr viel reibungsloser: Die Mitarbeiter sehen, dass ihre Sichtweisen und Bedenken und der Projektarbeit beachtet wurden. Und die beteiligten Meinungsführer stellen sich hinter die gefundenen Lösungen, statt nach ihren Schwachpunkten zu suchen und sie voller Wut zu attackieren.
Pragmatische Lösungen
Damit wir uns richtig verstehen: Die Einbeziehung kritischer Sichtweisen in die Projektteams ist kein Trick, um mögliche Widerstände zu übertölpeln, sondern eine andere Strategie der Veränderung. Sie führt zu “bodenständigeren” Lösungen, die auch deshalb weniger Widerstände auslösen, weil sie weniger radikal sind: weniger Revolution, mehr Evolution. Das kann man loben, aber auch kritisieren – je nach eigener Grundeinstellung und akut bestehendem Handlungsdruck. Doch meistens ist eine pragmatische Lösung, die dann auch implementiert wird, für das Unternehmen mehr wert als eine hochkreative, deren Umsetzung scheitert.
Doch meistens ist eine pragmatische Lösung, die dann auch implementiert wird, für das Unternehmen mehr wert als eine hochkreative, deren Umsetzung scheitert.
Klarer Auftrag wichtig
Heterogenes Team? Dann glasklarer Auftrag
Gemischte Teams tragen den Konflikt intern aus — das macht sie langsamer. Der Preis ist nur zu zahlen, wenn zwei Dinge sitzen: ein klarer Auftrag und ein für alle nachvollziehbarer Handlungsdruck. Ist beides da, erledigt sich die Sorge vor "Bremsern" und "Quertreibern" von selbst. Dann entstehen Lösungen, die umsetzbar sind — und tatsächlich umgesetzt werden.
Doch ist bei heterogen zusammengesetzten Projektteams besonders wichtig, dass sie einen klaren Auftrag erhalten. Gerade heterogenen Teams muss zudem der bestehende Handlungsdruck gut kommuniziert werden. Wenn er für alle Beteiligten klar und nachvollziehbar ist, muss man sich auch keine großen Sorgen mehr über “Bremser” und “Quertreiber” machen; dann entstehen auch auf diesem Weg Lösungen, die dem bestehenden Handlungsbedarf gerecht werden – und dazu den Vorteil haben, dass sie erstens umsetzbar sind und zweitens tatsächlich umgesetzt werden.
Häufige Fragen.
Warum ist Projektarbeit eine Überzeugungsstrategie?
Weil Menschen sich am stärksten selbst überzeugen, wenn sie aktiv mitgestalten. In Projekten reproduzieren die Beteiligten keine Vorgaben, sondern entwickeln die Lösung mit — und machen sie sich damit zu eigen. Das fördert die Identifikation weit mehr als jede Präsentation von oben.
Wen sollte man in ein Projektteam berufen?
Nicht nur die Veränderungsfreudigen. Bewusst heterogen besetzen — inklusive Meinungsführer des "konservativen Lagers", wichtiger interner Interessengruppen und des Betriebsrats. Das verlagert den Konflikt ins Team, nimmt ihm aber die Schärfe, weil um die beste Lösung gerungen wird statt um fertige Fronten.
Warum keine reinen Teams aus Veränderungswilligen?
Solche Teams entwickeln in Windeseile weitreichende Konzepte — treffen an der Schwelle zur Umsetzung aber auf den geballten Widerstand der Übergangenen. Was glänzend beginnt, scheitert dann oft am Ende. Heißt: Der vermiedene Konflikt kommt später zurück, härter.
Was bringt es, Skeptiker früh einzubeziehen?
Kritische Argumente fließen in die Entstehung der Lösung ein, statt sie hinterher zu torpedieren. Die Lösungen werden bodenständiger und lösen weniger Widerstand aus — weniger Revolution, mehr Evolution. Und die beteiligten Meinungsführer stellen sich hinter das Ergebnis, statt nach Schwachpunkten zu suchen.
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