Change-Management-Methoden
Schwarzes Brett: Besser als sein Ruf.
Das Schwarze Brett gilt als verstaubt. Das Problem ist nie das Medium, sondern die Aktualität. So wird der Aushang wieder zum wirksamen Change-Kanal.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Schwarze Brett ist besser als sein Ruf. Nicht das Medium versagt, sondern die veralteten Aushänge daran.
- Aktualität und Relevanz entscheiden alles. Heißt: gnadenlos ausmisten, Verfallsdatum einführen, wöchentlich durchputzen.
- In der Produktion erreicht kein Kanal die gewerblichen Mitarbeiter so direkt — mehrsprachig sogar die, für die Deutsch ein Auswärtsspiel ist.
Eigentlich erstaunlich, dass so ein biederes Kommunikations-Instrument wie das Schwarze Brett es geschafft hat, umstritten zu sein. Während es die einen als eine besonders tückische Form von Geheimhaltung ansehen, schwören die anderen, dass solche Aushänge von vielen Mitarbeitern mit großer Aufmerksamkeit studiert würden.
Ausmaß der Aufmerksamkeit.
Entscheidend ist Aktualität
Die Wahrheit liegt auch in diesem Fall nicht in der Mitte, sondern mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Die Akzeptanz des Schwarzen Bretts hängt stark davon ab, welche Tradition es im jeweiligen Unternehmen hat. Denn wenn auf den Tafeln nur die Feiertagsregelung vom vorletzten Jahr, ein uralter Speiseplan der Kantine und ein stark narkotisch wirkender Aushang über Arbeitssicherheit vor sich in gilben, dann muss man sich nicht wundern, wenn das Schwarze Brett kein Publikumsmagnet ist. Wenn dort hingegen regelmäßig aktuelle Informationen über Themen hängen, die von allgemeinem Interesse sind, dann werden sie auch gelesen.
Nicht das Brett ist schuld
Der häufigste Trugschluss: Das Schwarze Brett sei ein totes Medium. Falsch. Tot sind die Aushänge — der gilbende Speiseplan, die Feiertagsregelung von vorletztem Jahr. Heißt: Wer Aktualität herstellt, hat das Problem gelöst, nicht das Instrument abgeschafft.
Ein guter Lückenfüller.
Nutzung von Leerzeiten
Der große Vorteil des Schwarzen Bretts ist, dass es bei günstiger Platzierung Wartezeiten und Pausen nutzt. Während man beispielsweise auf den Beginn einer Besprechung wartet oder auf die Kollegen, mit denen man zum Mittagessen verabredet ist, schaut man gerne mal, ob am Schwarzen Brett etwas Neues und Interessantes steht. Und wendet sich in vielen Fällen enttäuscht ab. Genau das ist das Problem: Die mangelnde Aktualität, und nicht das Schwarze Brett an sich!
Wirksamkeit herstellen
Wie jede andere Kommunikationsform lebt das Schwarze Brett von Aktualität und von Relevanz. Wenn die gegeben sind, lässt sich auch ein ziemlich verwahrlostes Schwarzes Brett schnell wiederbeleben. Und dann wird das Schwarze Brett zu einer ausgesprochen wirkungsvollen Methode des Change Management. Und in vielen produzierenden Unternehmen ist es auch heute noch die einfachste Möglichkeit, die gewerblichen Mitarbeiter zu erreichen, von denen viele keinen eigenen PC und keine Firmen-Mailadresse haben. Darüber hinaus ist es, sofern die Aushänge mehrsprachig sind, die beste Möglichkeit, jene Mitarbeiter zu erreichen, für die die deutsche Sprache ein Auswärtsspiel ist.
Wie jede andere Kommunikationsform lebt das Schwarze Brett von Aktualität und von Relevanz.
Gnadenlos ausmisten
Stellen Sie deshalb als erstes Aktualität sicher – und beginnen Sie mit gnadenlosem Ausmisten. Schmeißen Sie, ohne lange zu fragen, alles weg, was überholt ist und/oder “angegilbt” aussieht. (Bei gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Pflichtaushängen ist ein etwas weniger radikaler Ansatz ratsam: Konzentrieren Sie sie in einer Ecke, damit jeder auf den ersten Blick sieht, dass es sich hier um die Abteilung für Pflichtübungen handelt.)
Verfallsdatum
Führen Sie als nächstes die Regel ein, dass alle Aushänge mit einem Verfallsdatum zu versehen sind, das nur in begründeten Ausnahmefällen länger als vier Wochen sein darf. Und beauftragen Sie einen zuverlässigen Mitarbeiter, einmal in der Woche “durchzuputzen”. Wenn danach nur ein oder zwei Blätter übrig sind, dann ist es eben so – dann gibt es eben nicht mehr Neuigkeiten. Die Tageszeitung druckt ja (in der Regel) auch nicht die Nachrichten von gestern noch mal ab, nur weil es nicht genügend neue gibt.
So beleben Sie es wieder
Erst ausmisten, ohne lange zu fragen. Dann die Regel: Jeder Aushang bekommt ein Verfallsdatum, höchstens vier Wochen. Und ein Zuständiger putzt einmal pro Woche durch. Bleiben nur zwei Blätter übrig? Dann ist das eben so — mehr gibt es gerade nicht herzuzeigen.
Für Aktualität und Relevanz sorgen.
Kürze und Relevanz
Und dann sorgen Sie für Relevanz. Machen Sie das Schwarze Brett zu einem Ihrer bevorzugten Kommunikationsmedien – schneller und kostengünstiger können Sie es nicht haben! Nutzen Sie es zum Beispiel, um Kurzberichte zu interessanten Punkten aus der Projektsteuerung auszuhängen – nicht ganze Protokolle, weil das mehr Details sind als die meisten Leute wissen wollen und in der verfügbaren Zeit lesen können, sondern 3 – 5 kurze Meldungen auf einer oder maximal (!) zwei Seiten. Sie können diesen Aushang auch mit einem E-Mail-Newsletter verbinden und jeweils dessen aktuellste Version aushängen.
”Hirtenbrief”
Sehr gute Erfahrungen haben wir zum Beispiel damit gemacht, dass die Geschäftsleitung in Zeiten starker Veränderung einmal pro Monat einen Lagebericht am Schwarzen Brett aushängt. (Vom Vorsitzenden der Geschäftsführung mit liebevoller Süffisanz “Hirtenbriefe” genannt.) Denn, wie gesagt, wenn sich die Mühe des Lesens lohnt, brauchen Sie sich keine Sorgen machen, dass dieser Informationskanal nicht angenommen wird.
Grenze zur Missachtung
Nicht ans Schwarze Brett gehören Nachrichten, die von besonderer Tragweite sind und/oder einzelne Mitarbeiter oder Mitarbeitergruppen persönlich betreffen. Hier ist direkte Kommunikation erforderlich. Wenn, wie es in einigen Hochschulen üblich ist, die Ergebnisse von Klausuren aus Zeitgründen über einen Aushang oder über das Intranet bekannt gegeben wird, so dass sich jeder ablesen kann, ob er bestanden hat oder nicht, ist das ebenso eine Missachtung der betroffenen Personen wie die Bekanntgabe einschneidender Umstrukturierungen auf diesem Weg. Wenn es darum geht, Dinge von größerer Tragweite mitzuteilen, wählen Sie den Weg des Vier-Augen-Gesprächs bzw. den einer Info-Veranstaltung bzw. einer Betriebs- oder Belegschaftsversammlung.
Vier-Augen-Gespräch
Für alles, was Einzelne persönlich betrifft. Ein Aushang, den jeder mitliest, wäre hier eine Missachtung.
Info-Veranstaltung
Wenn eine Botschaft von Tragweite eine Gruppe zugleich erreichen und Raum für Rückfragen bieten muss.
Betriebs- oder Belegschaftsversammlung
Für einschneidende Themen, die die ganze Belegschaft angehen — nicht per stillem Zettel an der Wand.
Dezentrale Bretter
Übrigens ist es trotz des Singulars durchaus nicht so, dass das Schwarze Brett ein Einzelstück sein müsste oder sollte – im Gegenteil: Wenn es sich von der Substanz her lohnt, das Schwarzes Brett anzuschauen, dann lohnt es sich auch, mehrere Exemplare davon auf das Werksgelände zu verteilen. Sie sollten, wie oben erwähnt, überall dort angebracht werden, wo Mitarbeiter häufiger kurze Warte- und Pausenzeiten verbringen: Vor Besprechungs- und Pausenräumen, an Meisterbuden, vor der Kantine, am Kiosk, im Foyer, am Eingang von Treppenhäusern usw. Dann ist es zwar etwas mehr Aufwand, die ganzen Tafeln à jour zu halten, aber die Reichweite, also der Multiplikationseffekt ist auch sehr viel größer.
Häufige Fragen.
Warum liest niemand das Schwarze Brett?
Fast immer wegen mangelnder Aktualität — nicht wegen des Mediums. Wer auf vergilbte Aushänge und den Speiseplan von vorletztem Jahr trifft, wendet sich enttäuscht ab und schaut beim nächsten Mal gar nicht mehr hin.
Wie beleben Sie ein vernachlässigtes Schwarzes Brett wieder?
Erst gnadenlos ausmisten. Dann ein Verfallsdatum für jeden Aushang, höchstens vier Wochen. Und einen Zuständigen, der wöchentlich durchputzt. Danach sorgen Sie für Relevanz: kurze, aktuelle Meldungen statt ganzer Protokolle.
Für wen ist das Schwarze Brett heute noch das beste Medium?
Für gewerbliche Mitarbeiter, die keinen eigenen PC und keine Firmen-Mailadresse haben. Und, sofern die Aushänge mehrsprachig sind, für alle, für die die deutsche Sprache ein Auswärtsspiel ist.
Was gehört nicht ans Schwarze Brett?
Alles von besonderer Tragweite und alles, was Einzelne persönlich betrifft. Klausurergebnisse oder einschneidende Umstrukturierungen per Aushang bekanntzugeben, ist eine Missachtung der Betroffenen. Hier braucht es das direkte Gespräch.
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