Arbeitsrecht

Transfermaßnahmen: Förderung der Arbeitssuche.

Transfermaßnahmen bringen Entlassene in den nächsten Job, nicht in die Arbeitslosigkeit. Was der Staat fördert und was Arbeitgeber davon haben.

Winfried Berner ·5 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Transfermaßnahmen sind kein Trostpflaster für den Abbau. Sie sind das Instrument, das Entlassene in den nächsten Job bringt — statt in die dauerhafte Arbeitslosigkeit.
  • Der Staat zahlt mit: bis zu 50 Prozent der Maßnahmenkosten und Transferkurzarbeitergeld für maximal zwölf Monate. Aber nur, wenn die Voraussetzungen stimmen.
  • Für den Arbeitgeber zählt nicht nur der soziale Faktor. Kein Kündigungsschutz, weniger Klagen, keine Endzeitstimmung im Betrieb — das ist der harte Teil der Rechnung.

Für Mitarbeiter, die aufgrund einer Betriebsänderung, ihren Job verlieren, sieht das Sozialgesetzbuch seit Januar 2004 eine doppelte Unterstützung vor: Zum einen die Zahlung eines “Transferkurzarbeitergelds” für maximal 12 Monate, zum anderen die Förderung ihrer Teilnahme an Transfermaßnahmen. Beides soll helfen, Sanierungen und den damit verbundenen Personalabbau so zu realisieren, dass möglichst wenige der entlassenen Mitarbeiter dauerhaft arbeitslos werden. Was durchaus eine sinnvolle Sache ist, denn eigentlich brauchen die Entlassenen ja keine Abfindung, sondern einen neuen Job. Bei der Suche danach können und sollen ihnen Transfermaßnahmen helfen.

Transfer­ förderung.

Förderungs­ fähige Maßnahmen

  • Laut dem genannten Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit (Bundesagentur für Arbeit [2017]: 8c Transferleistungen; S. 16) zählen hierunter

  • “Maßnahmen zur Feststellung der Leistungsfähigkeit, der Arbeitsmarktchancen und des Qualifikationsbedarfs der Arbeitnehmer (Profiling)

  • Maßnahmen, die gezielte Hilfe bei Bewerbung und Stellensuche durch ein Bewerbungs-/Orientierungsseminar bieten

  • Outplacementberatung

  • Kurzqualifizierungsmaßnahmen

  • Maßnahmen der arbeitsplatzbezogenen Qualifizierung

  • Praktika

  • Fortsetzung der Ausbildung bei Auszubildenden

  • Existenzgründungsberatung”

  • Die Förderung ist an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Nach § 110 Abs. 2 beträgt der staatliche Zuschuss 50 Prozent der Maßnahmenkosten, jedoch höchstens 2.500 Euro je gefördertem Arbeitnehmer. “Eine Förderung ist ausgeschlossen, wenn die Maßnahme dazu dient, die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer auf eine Anschlussbeschäftigung im gleichen Betrieb oder in einem anderen Betrieb des gleichen Unternehmens vorzubereiten oder, falls das Unternehmen einem Konzern angehört, auf eine Anschlussbeschäftigung in einem Betrieb eines anderen Konzernunternehmens des Konzerns vorzubereiten.” (§ 110 Abs. 3)

50 %
Zuschuss zu den Maßnahmenkosten
nach § 110 Abs. 2 SGB III
2.500 €
Förder-Obergrenze je Kopf
höchstens je gefördertem Arbeitnehmer
12 Monate
Transferkurzarbeitergeld
maximale Bezugsdauer

Transfer-, Qualifizierungs- und Auffanggesellschaften.

Transferoder Qualifizierungs­ gesellschaft

Transferkurzarbeitergeld können nur Mitarbeiter erhalten, die erstens von “Personalanpassungsmaßnahmen aufgrund einer Betriebsänderung” im Sinne von § 111 Betriebsverfassungsgesetz betroffen sind und zweitens in einer “betriebsorganisatorisch eigenständigen Einheit” zusammengefasst werden, also in einer eigenen Abteilung oder auch in einer separaten Firma. Meist geschieht das in Form einer so genannten Transfergesellschaft; vor der Neuregelung war hier oft von Auffang-, Beschäftigungs- oder Qualifizierungsgesellschaften die Rede.

Spezialisierte Träger

Der Arbeitgeber kann diese Firma oder Abteilung entweder als Tochterunternehmen führen, oder er kann einen geeigneten Träger damit beauftragen. In Suchmaschinen wie Google finden sich unter dem Stichwort “Transfergesellschaft” etliche Anbieter, die bereit sind, Unternehmen diese Arbeit gegen eine angemessene Gebühr abzunehmen. Die Fremdvergabe dieser Leistung ist durchaus eine Überlegung wert, denn spezialisierte Träger haben im Zweifelsfall mehr Know-how, worauf es beim Betrieb einer Transfergesellschaft ankommt und wie man die betroffenen Mitarbeiter auf eine erfolgreiche Jobsuche vorbereitet. Außerdem bindet sie weniger Managementkapazität und erlaubt es dem angeschlagenen Unternehmen, sich voll auf sein Kerngeschäft bzw. dessen Sanierung zu konzentrieren.

Selbst machen oder abgeben?

Ein spezialisierter Träger bringt zwei Dinge mit, die dem angeschlagenen Unternehmen gerade fehlen: das Know-how, eine Transfergesellschaft sauber zu betreiben, und die Kapazität, die sie bindet. Heißt: Wer die Aufgabe abgibt, hält den Kopf frei für das, worauf es jetzt ankommt — das Kerngeschäft und dessen Sanierung.

Beratung durch Arbeitsagentur

Die rechtliche und praktische Ausgestaltung von Transfermaßnahmen ist verzwickt und erfordert spezielle Kenntnisse, sodass in jedem Fall eine Beratung durch das Arbeitsamt und gegebenenfalls durch geeignete Träger erforderlich ist. Bei umfangreicheren Entlassungen muss der Arbeitgeber ohnehin schon in deren Vorfeld den Betriebsrat und die “Agentur für Arbeit” schriftlich informieren (§ 17 Abs. 3 Kündigungsschutzgesetz). Bei Betriebsänderungen muss er außerdem mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan verhandeln (§§ 112 und 112a Betriebsverfassungsgesetz). Um die Möglichkeit von Transfermaßnahmen von vornherein in ihre Verhandlungen einbeziehen zu können, ist es für beide Seiten nützlich, frühzeitig den Rat der Arbeitsagentur einzuholen und sich deren Erfahrungen zunutze zu machen.

Vor- und Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Vorund Nachteile

Welche Vor- und Nachteile haben Transfermaßnahmen gegenüber dem herkömmlichen Vorgehen, einen Interessenausgleich und Sozialplan auszuhandeln und die Mitarbeiter dann mit einer mehr oder weniger hohen Abfindung nach Hause zu schicken?

Auswirkungen für Mitarbeiter

Für die betroffenen Mitarbeiter hat der Übergang in eine Transfergesellschaft den Vorteil, dass sie wenigstens noch für ein Jahr in Beschäftigung bleiben und sich unter fachkundiger Anleitung um eine berufliche Neuorientierung bemühen können, statt mit all ihren Fragen und Problemen auf sich alleine gestellt zu sein. Auf der anderen Seite erhalten sie dann oft keine oder nur eine reduzierte Abfindung – oder genauer: Sie investieren diesen Betrag indirekt in ihre weitere Bezahlung und ihre berufliche Neuausrichtung. Das ist nur dann ein Nachteil, wenn sie auch ohne eine solche Maßnahme leicht einen adäquaten neuen Job gefunden hätten.

Abfindung oder Anschluss?

Die Abfindung schrumpft, das stimmt. Aber sie ist nicht weg — sie steckt in einem Jahr weiterer Bezahlung und begleiteter Neuorientierung. Ein Nachteil ist das nur für den, der auch allein sofort einen gleichwertigen Job fände. Für alle anderen kehrt sich die Rechnung um.

Umgekehrt haben die Vorteile desto mehr Gewicht, je schwerer sie sich mit einer Arbeitssuche auf eigene Faust tun würden. Vor allem für ältere Arbeitnehmer, die wenig Erfahrung mit Jobsuche haben und auf einen schwierigen Arbeitsmarkt treffen, ist die Teilnahme an Transfermaßnahmen daher in aller Regel die bessere Alternative zu einer Abfindung. Dies gilt umso mehr als sie nach Auslaufen ihres befristeten Arbeitsvertrags mit der Transfergesellschaft den vollen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, falls sie im Laufe dieses Jahres keinen neuen Job finden.

Auswirkungen auf den Betrieb

Der Arbeitgeber wiederum hat von Transfermaßnahmen den handfesten Vorteil, dass er nicht an Kündigungsfristen gebunden ist; vielmehr scheiden die betroffenen Mitarbeiter sofort mit dem Übergang in die Transfergesellschaft aus dem Unternehmen aus. Dieser sofortige und “friedliche” Übergang hilft nicht nur, Kündigungsschutzklagen zu vermeiden, sondern lässt auch weniger als sonst bei Personalabbau eine Endzeitstimmung aufkommen, die das Klima im Unternehmen und dessen Handlungsfähigkeit gerade in der kritischen Phase des Turnarounds belastet.

Stattdessen zeigt das Angebot einer Transfergesellschaft, dass der Arbeitgeber eine Mitverantwortung für die ausscheidenden Mitarbeiter übernimmt und sie nicht einfach auf die Straße kippt. Das hat meistens auch auf die Stimmung unter den verbleibenden Beschäftigten eine positive Wirkung. Allerdings stehen der sofortigen Reduzierung von Personalkosten und den geringeren Sozialplankosten die laufenden Kosten für die Transfergesellschaft gegenüber.

dass der Arbeitgeber eine Mitverantwortung für die ausscheidenden Mitarbeiter übernimmt und sie nicht einfach auf die Straße kippt.

Bitte beachten Sie: Die Informationen auf dieser Website dienen lediglich einer ersten groben Orientierung über die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen bei betrieblichen Veränderungsprozessen in Deutschland. Sie können und sollen weder die Rechtslage erschöpfend darstellen noch den Rat eines Fachanwalts für Arbeitsrecht ersetzen. Deshalb wird ausdrücklich davon abgeraten, allein auf dieser Grundlage das Vorgehen für eine konkrete Situation festzulegen. Diese Seiten wurden mit Sorgfalt und im Bemühen um Aktualität erstellt; jegliche Haftung ist jedoch ausdrücklich ausgeschlossen.

Häufige Fragen.

Wer bekommt Transferkurzarbeitergeld?

Nur Mitarbeiter, die von einer Betriebsänderung im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes betroffen sind und in einer eigenständigen Einheit — meist einer Transfergesellschaft — zusammengefasst werden. Fehlt eine der beiden Voraussetzungen, gibt es kein Transferkurzarbeitergeld.

Wie viel steuert der Staat bei?

Bis zu 50 Prozent der Maßnahmenkosten, höchstens 2.500 Euro je gefördertem Arbeitnehmer. Dazu Transferkurzarbeitergeld für maximal zwölf Monate. Ausgeschlossen ist die Förderung, wenn die Maßnahme nur auf einen Anschlussjob im gleichen Betrieb oder Konzern vorbereitet.

Lohnt sich eine Transfergesellschaft für die Betroffenen?

Für die meisten ja — besonders für ältere Beschäftigte mit wenig Übung in der Jobsuche und schwierigem Arbeitsmarkt. Sie bleiben ein Jahr in Beschäftigung, werden fachlich begleitet und behalten am Ende den vollen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Wer allein sofort einen gleichwertigen Job fände, fährt mit der Abfindung besser.

Was hat der Arbeitgeber davon?

Mehr als ein gutes Gewissen. Die Mitarbeiter scheiden sofort aus, ohne Kündigungsfristen. Das senkt das Risiko von Kündigungsschutzklagen und hält die Endzeitstimmung aus dem Betrieb. Dem stehen die laufenden Kosten der Transfergesellschaft gegenüber.

Frage zu diesem Thema?

Stellen Sie Ihre Frage. Der Assistent durchsucht über 1.000 Seiten: Fachartikel, Rezensionen, Beratungsseiten und Seminare. Zu jeder Antwort nennt er Ihnen die Quelle.

Die Antworten erzeugt eine KI aus den Texten dieser Website. Sie können Fehler enthalten und ersetzen kein Gespräch. Preise, Termine und Zusagen nennt der Assistent nicht.