Behavioral Economics, Spiel- und Kooperationstheorie
Soziale Netzwerke sind wirksamer Anreiz für kooperatives Handeln.
Egoistisches Verhalten kann nicht nur Sanktionen des direkten Mitspielers auslösen, sondern auch den Ruf verderben. Je dichter soziale Netzwerke sind, desto ratsamer wird es daher, sich als kooperativ und vertrauenswürdig zu erweisen.
Wer tiefer in die aktuelle Forschung zu der von Robert Axelrod begründeten Kooperationstheorie einsteigen möchte, stößt rasch an die Grenzen seiner Schulmathematik – bzw. dessen, was die Zeit davon übrig gelassen hat. Insofern bezieht sich die niedrige Bewertung der Lesbarkeit weniger auf den Schreibstil der Autoren; sie ist vielmehr das Eingeständnis, dass die Argumentation und Beweisführung dieses Artikels für Leser, die mathematisch nicht fit sind, praktisch unlesbar ist. Aus diesem Grund speist sich diese Kurzbesprechung auch nur aus den Abschnitten "Introduction" sowie "Conclusions und Discussion"; de dazwischenliegenden Teile "Construction of the Model", "The Solution of the Model" und "Approximation Using Linearization" habe ich nur überflogen, die "Mathematical Details" im Anhang, der seitenweise Formeln enthält, habe ich mir in weiser Einsicht in meine Grenzen ganz erspart.
Doch selbst dieser limitierte Blick auf den Artikel zeigt, dass die neuere Forschung zur Kooperationstheorie hohe Praxisrelevanz hat. Die beiden holländischen Wissenschaftler stellen fest, dass in der Realität keineswegs nur der direkte Gegenspieler Sanktionen für unkooperatives Verhalten setzen kann, sondern auch die soziale Umgebung, die dieses Verhalten beobachtet. Das hat zur Konsequenz, dass unkooperatives Verhalten unter Umständen deutlich teurer ist als es im klassischen Prisoner's Dilemma erscheint, weil es schlecht für die eigene Reputation ist, und dass der Anreiz zur Kooperation infolgedessen noch größer ist als er in den klassischen Experimenten zum iterierten Gefangenendilemma aufscheint: "An actor has to take into account not only the partner's response to his actions, but also how his behavior affects his reputation with other actors that are relevant to him." (S. 45) Das lässt sich auch in eine Strategie umsetzen, andere zur Kooperation zu veranlassen: "Cooperation is also facilitated if players inform third parties about interactions with a partner, and acutally stimulate interactions of those third parties with the partner." (S. 45)
Mit einer mathematisch-deduktiven Beweisführung – also ohne Experimente und Simulationen – untermauern Buskens und Weesie ihre Hypothesen: "Sanctions against untrustworthy partners can be executed not only by the direct partner but also by other actors in the social network. This aggravates the consequences of the sanctions and, thus, the possibilities for cooperative behavior increase with network-embeddedness. In accordance with existing informal and formal literature (...), more trust is possible if the costs of sanctions for the trustee are higher, if the trustee is more patient, if the trustor expects to be involved with the trustor for a longer time, and if the average incentive for the trustee to abuse trust becomes smaller. In addition, we predict that trust is higher in more dense networks, and that trustors with a higher outdegree [Informationsweitergabe-Wahrscheinlichkeit] can place more trust." (S. 63)
Natürlich kann man angesichts dieser Ergebnisse sagen, das habe man auch schon vorher gewusst: Dass es auf dem Land mehr gegenseitiges Vertrauen gibt als in der Stadt (dichtere Netzwerke) oder dass die Vertrauenswürdigkeit wächst, wenn die Versuchung gering ist (sodass sich Egoismus kaum lohnt) oder der Partner einflussreich (und sich daher wirksamer rächen könnte). Immerhin zeigt die Untersuchung von Buskens und Weesie aber, dass diese Muster des Alltagsverhaltens keineswegs "irrational" sind, sondern im spieltheoretischen Sinne höchst rational. Und dass es von daher nicht nur naiv ist, sich in sozialen Netzwerken anständig zu verhalten, sondern auf mittlere Sicht auch klug.
Doch selbst dieser limitierte Blick auf den Artikel zeigt, dass die neuere Forschung zur Kooperationstheorie hohe Praxisrelevanz hat. Die beiden holländischen Wissenschaftler stellen fest, dass in der Realität keineswegs nur der direkte Gegenspieler Sanktionen für unkooperatives Verhalten setzen kann, sondern auch die soziale Umgebung, die dieses Verhalten beobachtet. Das hat zur Konsequenz, dass unkooperatives Verhalten unter Umständen deutlich teurer ist als es im klassischen Prisoner's Dilemma erscheint, weil es schlecht für die eigene Reputation ist, und dass der Anreiz zur Kooperation infolgedessen noch größer ist als er in den klassischen Experimenten zum iterierten Gefangenendilemma aufscheint: "An actor has to take into account not only the partner's response to his actions, but also how his behavior affects his reputation with other actors that are relevant to him." (S. 45) Das lässt sich auch in eine Strategie umsetzen, andere zur Kooperation zu veranlassen: "Cooperation is also facilitated if players inform third parties about interactions with a partner, and acutally stimulate interactions of those third parties with the partner." (S. 45)
Mit einer mathematisch-deduktiven Beweisführung – also ohne Experimente und Simulationen – untermauern Buskens und Weesie ihre Hypothesen: "Sanctions against untrustworthy partners can be executed not only by the direct partner but also by other actors in the social network. This aggravates the consequences of the sanctions and, thus, the possibilities for cooperative behavior increase with network-embeddedness. In accordance with existing informal and formal literature (...), more trust is possible if the costs of sanctions for the trustee are higher, if the trustee is more patient, if the trustor expects to be involved with the trustor for a longer time, and if the average incentive for the trustee to abuse trust becomes smaller. In addition, we predict that trust is higher in more dense networks, and that trustors with a higher outdegree [Informationsweitergabe-Wahrscheinlichkeit] can place more trust." (S. 63)
Natürlich kann man angesichts dieser Ergebnisse sagen, das habe man auch schon vorher gewusst: Dass es auf dem Land mehr gegenseitiges Vertrauen gibt als in der Stadt (dichtere Netzwerke) oder dass die Vertrauenswürdigkeit wächst, wenn die Versuchung gering ist (sodass sich Egoismus kaum lohnt) oder der Partner einflussreich (und sich daher wirksamer rächen könnte). Immerhin zeigt die Untersuchung von Buskens und Weesie aber, dass diese Muster des Alltagsverhaltens keineswegs "irrational" sind, sondern im spieltheoretischen Sinne höchst rational. Und dass es von daher nicht nur naiv ist, sich in sozialen Netzwerken anständig zu verhalten, sondern auf mittlere Sicht auch klug.
Fundstelle
Buskens, Vincent; Weesie, Jeroen. (2000). Cooperation via Social Networks. Analyse & Kritik Vol. 22; 31 S. (44 – 74)
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