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Video: Mutiger Umgang mit Konflikten II: Praktische Umsetzung.

Gesprächsregeln kennt jeder — und trotzdem eskaliert es. Warum der mutige Umgang mit Konflikten mit Selbstempathie beginnt, nicht mit Technik.

Winfried Berner ·4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste aus dem Vortrag

  • Konfliktkompetenz ist kein Wissensdefizit, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Regeln kennt fast jeder — angewendet werden sie trotzdem nicht.
  • Zwei Ängste blockieren: die Angst, die Harmonie zu zerstören, und die Angst, dass die eigenen Bedürfnisse unter die Räder kommen.
  • Der Schlüssel liegt nicht in der Gesprächsführung, sondern in der inneren Einstimmung. Sie beginnt im Vorfeld, nicht erst im Gespräch.
  • Empathie für die anderen gelingt erst, wenn zuvor Empathie für sich selbst da war.

Einer alleine kann nicht streiten.

Friedrich Glasl

Der mutige, konstruktive Umgang mit Konflikten scheitert meist nicht an mangelndem Wissen, er scheitert an zwei Ängsten: Einerseits der Angst, die Harmonie zu zerstören und die Beziehungen zu beschädigen, andererseits der Angst, dass unsere eigenen Interessen und Bedürfnisse unter die Räder kommen. Es würde daher nichts nützen, die bekannten Regeln und Leitgedanken für Konfliktgespräche hier ein weiteres Mal zu wiederholen – das Einzige, was hilft, ist, einen guten Umgang mit diesen Ängsten zu finden.

Das heißt, der Schlüssel zu einem konstruktiven Umgang mit Konflikten liegt nicht so sehr in der Gesprächsführung, er liegt vor allem in der richtigen inneren Einstimmung. Denn Empathie für unsere Kontrahenten können wir nur entwickeln, wenn wir zuvor Empathie für uns selbst aufgebracht haben. Statt unser Handeln kritisch zu be- und zu verurteilen, können wir uns entscheiden, liebevoll mit uns selbst umgehen und selbst die Verantwortung dafür übernehmen, dass unsere Bedürfnisse nicht unter die Räder kommen.

Wir können unser Kopfkino umlenken: Statt unsere Kontrahenten als Gegner zu betrachten und uns in eine Eskalation hineinzudenken, können wir sie auch als Menschen betrachten, die zwar zuweilen etwas kompliziert, aber letztlich auch an einem guten Verhältnis interessiert sind. Statt schmutzige Wäsche zu waschen oder uns Sorgen um die Zukunft zu machen, können wir uns voll auf die Gegenwart konzentrieren. Statt auf unfreundliches Verhalten ebenfalls unfreundlich zu reagieren, können wir mit bedingungsloser Wertschätzung antworten und so das Wechselspiel von gegenseitiger Zurückweisung in ein Wechselspiel von gegenseitigem Respekt verwandeln.

Was Sie im Video lernen.

  • Kein Wissensdefizit — warum das Kennen der Gesprächsregeln nichts nützt und Konflikte trotzdem eskalieren.
  • Kopfkino — wie die Eskalation im Kopf beginnt, lange bevor ein Wort gesprochen ist (Watzlawicks Geschichte vom ausgeliehenen Hammer).
  • Die erste Entscheidung — ansprechen oder bewusst lassen; warum das Sich-Drücken vor dieser Entscheidung den meisten Stress erzeugt.
  • Empathie für sich selbst — von der Selbst-Beurteilung zum Selbst-Verstehen (Urys Regel 1).
  • Selbst-Verantwortung — die eigenen „roten Knöpfe“ kennen und vom Opfer zum Gestalter werden (Regel 2).
  • Die anderen nicht als Feinde — den Kuchen vergrößern, statt in Knappheit zu denken (Regel 3).
  • In der Gegenwart agieren — sich nicht von Vergangenheit und Zukunft ablenken lassen (Regel 4).
  • Bedingungslose Wertschätzung — psychologisches Jiu-Jitsu, das eine Eskalation unmöglich macht (Regel 5).
  • Win-Win-Win — geben statt fordern, aus aufgeklärtem Eigeninteresse (Regel 6).

Treffen Sie eine klare Entscheidung

Viel Stress entsteht, weil wir uns vor der Entscheidung drücken: Wir raffen uns nicht auf, das Thema anzusprechen — wollen aber auch nicht mit dem Ärgernis leben. Also zeigt sich die Verstimmung indirekt und beschädigt die Beziehung. Heißt: Sprechen Sie den Konflikt an und bringen Sie den Mut dafür auf — oder lassen Sie es und akzeptieren, dass sich dann wohl nichts ändert.

Die Folien zu diesem Vortrag können Sie hier herunterladen. Darüber hinaus finden Sie diese Inhalte auch in dem Artikel Innere Vorbereitung: Der Schlüssel zu erfolgreichen Konfliktgesprächen.

Whitepaper-Download

Mutiger Umgang mit Konflikten II: Praktische Umsetzung.

Die sechs Regeln von William Ury und die innere Vorbereitung auf schwierige Gespräche — kompakt auf den Vortragsfolien.

Was Sie erwartet:

  1. Warum guter Umgang mit Konflikten kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem ist
  2. Kopfkino und Vorphase: wie Fantasien und Befürchtungen das Handeln steuern
  3. Die sechs Regeln von William Ury — von Empathie für sich selbst bis Win-Win-Win
  4. Empirische Fakten von de Breu und Axelrod zur überlegenen Wirkung von Kooperation
Folien herunterladen (PDF)

Häufige Fragen.

Warum reicht es nicht, die Regeln für Konfliktgespräche zu kennen?

Weil der mutige Umgang mit Konflikten kein Wissensdefizit ist, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Regeln scheitern an zwei Ängsten: der Angst, die Harmonie zu zerstören, und der Angst, dass die eigenen Bedürfnisse unter die Räder kommen. Erst der Umgang mit diesen Ängsten macht die Regeln wirksam — und der beginnt im Vorfeld, nicht erst im Gespräch.

Was ist mit „Kopfkino“ gemeint?

Die Eskalation beginnt im Kopf — mit Fantasien und Befürchtungen darüber, wie das Gespräch schieflaufen könnte. Paul Watzlawicks Geschichte vom ausgeliehenen Hammer zeigt es: Der Mann steigert sich in eine Kränkung hinein, bevor der Nachbar überhaupt ein Wort gesagt hat, und beschimpft ihn dann an der Tür.

Was sind die sechs Regeln von William Ury?

Empathie für sich selbst, verlässlich für die eigenen Bedürfnisse sorgen, die anderen nicht als Feinde betrachten, in der Gegenwart agieren, bedingungslose Wertschätzung zeigen und Win-Win-Win-Lösungen anstreben. Am Anfang steht die Empathie für sich selbst: von der Selbst-Beurteilung zum Selbst-Verstehen.

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